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weil du mir gehörst – Theaterprojekt

„Bedenken Sie, er hat getötet, was er am meisten liebte, gewähren Sie ein mildes Urteil!“ So plädiert der Verteidiger 1985 in Wien für Winfried B., der seine Lebensgefährtin Konstantina auf offener Straße mit einer Pistole hingerichtet hatte. 2013 dann der Mord an Saskia.  Er hat sich wiederum selbst zum Richter und Henker ernannt.

Eine „Beziehungstat“, wie es bis heute heißt. Auch in Kunst und Kultur ist „verirrte Liebe“ ein wiederkehrendes Motiv: Othello erwürgt Desdemona, Woyzeck ersticht Marie. Der Täter als tragischer Held, das Gemetzel eine Liebestat.

Aber was haben Konstantina und Saskia uns  noch zu erzählen?  Dabinnus arbeitet sich erneut durch Prozessakten, Befragungen, Notizen:  Bei den Recherchen zu Winfried B. und dem System, das ihn gewähren ließ, tun sich weitere Abgründe auf.

Durch ein Arbeitsstipendium des Kultureferates München konnten 2019/20 die Vorarbeiten für diese Theaterarbeit angegangen werden. Eigene poetische Texte von  Saskia Stetzer werden eingebunden, ebenso der Blog von Marion Zagermann, in dem sie über ihr Martyrium als Gefangene des Winfried R. berichtet und andere authentische Materialien.

In der Intimität des Theaters vermischen sich Zeit- und Raumebenen, wird verdichtet. Es gibt Kurzschlüsse  und Momente und Situationen werden neu beleuchtet.  Das Lügensystem, das dabei unter anderem zum Vorschein kommt weist bittere Parallelen zu Putin und der aktuellen Lage auf. Aber das nur „nebenbei“,  das ist ein anderer Gewaltschauplatz.

In diesem Theater-Spiel kann sich jeder in der Position des Täters oder des Opfers spiegeln oder als Freundin, Freund oder Vertreter:in von Law and Order.

 

Die „Mühlengeschichte“

PROJEKT- URSPRUNG, AKTUELLER STATUS

In meiner Arbeit „Flüsterzettel“ wurde eine ungeklärte Familienangelegenheit aus der NS-Zeit thematisiert. Es ging um die Übernahme eines jüdischen Großbetriebes durch meinen Großvater, im früheren Ostpreußen, im Jahr 1939, die „Bartensteiner Mühlenwerke“. Natürlich drängt sich zuerst der Gedanke auf, dass diese „Betriebsübernahme“ eine Arisierung zu Gunsten der Familie Dabinnus und anderer ehemaliger Mühlenkunden war.
Es gibt widersprüchliche Erzählungen und Dokumente bei den Nachkommen verschiedener Familien.
Der Inhaber und Geschäftsführer dieses Betriebes,  Dr. Hans Joseph Meyer, war mit meinem Großvater befreundet, so die Legende und es könnte sich bei der Übernahme auch um den Versuch einer „Tarnung“ des Besitzes gehandelt haben. Allerdings ist diese Sichtweise vielleicht eher dem Wunsch nach familiärer Entlastung entsprungen.

Das Thema habe ich in einem Solo im Theater HochX im Juni 2020 noch weiter ausgearbeitet. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung  (  SOLO  ZEIT- RESTE ca. bei Min. 32.00 im Video, bei 36.30 im Audio ) entstand  die Idee, die Fragestellungen dieser Geschichte zu einem öffentlichen Projekt auszugestalten. Durch ein Stipendium der GVL konnte ich im Corona-Herbst 2021 intensiv an Umsetzungsmöglichkeiten arbeiten. Ein Förderungsantrag beim Kulturreferat der Stadt München auf Projektförderung wurde inzwischen positiv beschieden. So ist ein Teil des Projektes finanziell gesichert und es können weitere Anträge u.a. bei der Kulturstiftung des Bundes gestellt werden.

ZEITSCHICHTEN

“ Sie sind ein hohes Risiko eingegangen und haben am Schluss noch die schöne Mühle übernommen“

So verschlüsselt ein Bekannter des Großvaters die „Mühlenangelegenheit“ in einem Nachkriegs-Brief. War die „Übernahme“ der freundschaftliche Versuch das Vermögen der Familie Meyer zu tarnen?  Oder war es schlicht eine „Arisierung“, so wie tausende andere damals im NS-Staat, eine Enteignung zum Schleuderpreis?

Denn ein „Onkel Bruno“,  ein Dr. Bruno Dzubba  gehörte zum erweiterten Verwandtenkreis.  Dr. Dzubba spielte im Macht-System des ostpreußischen Gauleiters  Erich_Koch eine üble Rolle als Enteigner.  Bis weit in die Ukraine reichte nach dem Überfall auf die Sowjetunion dessen Machtapparat. Die hemmungslose Bereicherung der sogenannten „Erich-Koch-Stiftung“ hatte maßgeblich auch „Onkel Bruno“ mitorganisiert.

 „Die schmutzige rechte Hand des Gauleiters“

So nennt  ihn Marion Dönhoff 1949 in der ZEIT.  Bei Recherchen u.a. im Landesarchiv Schleswig-Holstein stellt sich heraus, daß mehrfach in der unmittelbaren Nachkriegszeit versucht wurde, ihn vor Gericht zu bekommen. Alle diese Versuche scheiterten, es gab viele Vorwürfe und Beschuldigungen, aber wenig „Beweise“.  Und schließlich ließ man mit Beginn der „Schlußstrich“-Politik, Anfang der 1950er Jahre Gras darüber wachsen. Dr. Bruno Dzubba arbeitete unauffällig als Steuerberater, heiratete in eine Fabrikantenfamilie.

Was und und ob er etwas mit den Vorgängen um  die „Bartensteiner Mühlenwerke“ zu tun hatte, ist bisher ungeklärt. Weiteres Material dazu muß recherchiert werden.

Mühleninhaber Dr. Hans Joseph Meyer, der Deutschland nicht verlassen wollte und versuchte in Berlin den sich abzeichnenden Untergang des 1000-jährigen Reiches abzuwarten und seine Frau  Lotte-Frieda waren im Juni 1943 für einen Transport nach Auschwitz vorgesehen, wurden kurzfristig nach Theresienstadt “umgebucht“.  Angeblich holte man Dr. Hans Joseph Meyer aus Theresienstadt und sogar noch aus Auschwitz zur Beratung seines früheren Betriebes.

Dr. Hans Joseph Meyer, Lotte Frieda Meyer, geb. Baerwald

 

Fotos der teilweise noch bestehenden Gebäude aus dem Dezember 2021 von Joanna Jakutowicz

Dann endete das Ehepaar Meyer, ebenso wie andere Mitglieder dieser jüdisch-deutschen Familie, in Auschwitz.

“Ich war auch mit einem Mitglied der Familie befreundet, es war Hans Joseph Meyer, der in Auschwitz vergast wurde”

– so der Großvater Georg Dabinnus 1964 in einer eidesstattlichen Erklärung.

Er stand später in Kontakt mit einem überlebenden Mitglied der Familie Meyer in London. Es ging um Ausgleichszahlungen für verlorenen Besitz, eben um die “Mühlengeschichte”. Eine Angelegenheit zwischen den Familien bis heute.

Meyer Enkel Billy suchte 2006 Jahre den Sohn des Gutsbesitzers Georg Dabinnus auf.  Georg Dabinnus junior ist allerdings zu diesem Zeitpunkt auch bereits Mitte achtzig .  Billy Meyer versucht auch noch in einem zweiten Anlauf konkretere Fakten zu der Übernahme und den genauen Vorgängen zu erfahren. Leider ohne Erfolg.

Billy Meyer und Burchard Dabinnus sind beide “Erben” dieser „Familien-Angelegenheit“ im Kontext der Zeitgeschichte.                      In der  Familie  des Autors hat man ab und dann den                                       (fast entschuldigenden)  Satz gehört:

“Wir hatten ja auch jüdische Freunde”.

Aber auf der Aufnahmekarte der NS-Frauenschaft hat die Großmutter 1933 mit ihrer Unterschrift erklärt  sie sei:

„deutsch-arischer Herkunft und frei von jüdischem oder farbigen Rasseeinschlag“

Bitterer Kaffeesatz der „Reste von Gestern“.

MÜHLENGESCHICHTE ALS BEISPIEL

Kann diese „Familienangelegenheit“, die sich vielleicht nie wirklich aufklären lässt, als Fragestellung oder Versuchsanordnung für das Jetzt und Heute dienen? Außer lediglich eine weitere von zahllosen wabernden familiären NS-Verstrickungs oder Entlastungslegenden zu sein?

In einem erweiterten Rahmen kann sie ein Beispiel, Katalysator, eine Folie und auch Aufforderung sein.  Ein ganzes Themenbündel von alten und neuen gesellschaftlichen Realitäten ist, durch verschiedene Zeitschichten hindurch, darin verknotet: Widersprüche, Legenden und Schweigeverpflichtungen und der Wunsch nach Entlastung und Freisprechung der eigenen Vorfahren.

Was entwickelt sich, wenn man den Ort im heutigen Polen miteinbezieht, wo die Gebäude der Meyerschen Mühlenanlage heute noch stehen?  Wenn man die Geschichte des Gebäudes dort vor Ort erzählt, die Reaktionen sammelt, so die Ebenen von Gestern und Heute verknüpft und zusammen mit weiteren Recherchen in einer Theaterperformance bündelt?

Dann stehen wir gleichzeitig in polnisch-jüdisch-deutscher Vergangenheit und Gegenwart. Kulturell wie politisch. Und in den „Resten von Gestern“, die auch wieder Realität von heute sind:  Alter und neuer Antisemitismus hier wie dort (In den Verschwörungstheorien der Coronaleugner ist der offene oder versteckte Antisemitismus auch wieder ein beliebter Topos: die Welt wird von reichen und mächtigen Juden gesteuert). Außerdem Fragen nach Begriffen wie Kultur, Heimat, Eigentum, Nation. Eigene familiäre Verlusterfahrungen und Migrationserfahrungen, Prägungen, Vorurteile oder das Familienschweigen und der Umgang mit Geschichte.

Mit diesen Fragestellungen soll eine Veranstaltungsreihe an verschiedenen Orten in Deutschland und Polen konzipiert werden. Ergebnisse dieser „Feldforschung“ werden dann in die finale Theaterbearbeitung eingebracht werden.

VERANSTALTUNGEN

Die Veranstaltungen sollen jeweils aus einem informativen Teil (in Zusammenarbeit mit Billy Meyer und einem Team aus Historikern und Public-History-Studenten) und einem künstlerisch-subjektiven Part bestehen : Basierend auf dem bislang verfügbaren Material und den möglichen Interpretationen sollen die schauspielerischen Mitwirkenden unterschiedliche Positionen zum Thema spiegeln.

Nach den weiteren (mit optionaler Unterstützung von verschiedenen Organisationen, Institutionen und Stiftungen, die im polnisch-jüdisch-deutschen Themenfeld tätig sind) zu organisierenden Veranstaltungen und Recherchen findet dann im HochX eine Theater-Performance statt, die alle bis dahin erarbeiteten Ergebnisse aus Materialien, Gesprächen und Dokumente, Diskussionen und Interviews in einer Bühnenform „verdichtet“.

 

FORMALE/ INHALTLICHE GESTALTUNG

Die einzelnen Puzzlestücke werden zusammenlegt, in komprimierter Form im Bühnenraum verhandelt und zur Disposition gestellt. Es geht nicht darum, Urteile zu sprechen, es geht auch nicht darum Entlastungen oder Verständnis auszusprechen.

Ein Mehrspurverfahren, eine Vielstimmigkeit soll entwickelt werden: Briefe, Dokumente, Aussagen und Meinungen von gestern und heute werden auseinander und aneinandergeschnitten auch wenn sie zeitlich-historisch nicht zusammengehören. Es entsteht ein collagiertes Geflecht, ein eigener Raum von Verknüpfungen durch verschiedene Zeitebenen und Generationen hindurch. Die Elemente treten miteinander in Dialog, stellen sich gegenseitig Fragen, eröffnen Zwischengedanken und Perspektiven.

Ein Auschnitt eines Briefes aus der Vergangenheit begegnet beispielsweise dem Gedanken aus einem Interview aus dem Polen von heute.  Ein Foto trifft auf ein amtliches Schreiben. In der Theaterform wird Widersprüchliches, auch „Unpassendes“ zusammengefügt. Dem Zuschauer soll keine Interpretation vorgegeben werden, kein bequemer moralisch-ethischer Sessel hingestellt werden, auf dem er automatisch auf der richtigen Seite Platz nehmen kann.  Wiederholungen von Sequenzen in einem veränderten Kontext oder einer anderen Färbung fordern Widersprüchlichkeiten heraus, die nicht zur einen oder anderen Seite hin aufgelöst werden sollen. So bleibt die Selbstüberprüfung jedem einzelnen überlassen.

Das Ganze soll kein abstrakter und statischer Vorgang sein, kein Diskussionstheater als frontale Konfrontation.

In einer entsprechend modifizierten Version soll die Theater-Performance dann auch in Polen gezeigt werden. Dafür werden einzelne Elemente übersetzt und vor Ort -in einer Kombination mit dortigem künstlerischem Personal in die in entsprechenden Räumlichkeiten übertragen.

„Schließlich haben wir die Kontingente nicht direkt vom Juden gekauft“.

Ein O-Ton aus einem Nachkriegsbrief der 1960er Jahre. Benutzt der Großvater absichtlich diesen Jargon? Rutscht ihm da etwas heraus? Oder nimmt er diese Formulierung, um sich gegen den Vorwurf zu wehren, er hätte sich bereichert?

Die Mutter des Schriftstellers Joachim Höll, Tochter des Königsberger Regierungspräsidenten Angermann, sagt zu ihrem Sohn, der Dokumente zu seinem Großvater ausfindig machen will, er solle

„nicht das Ansehen des Großvaters beschmutzen!“

VERNETZUNG

Alle Veranstaltungen bauen aufeinander auf, beziehen die Ergebnisse von Recherchen, Interviews und Diskussionen der vorangegangenen Veranstaltungen mit ein und sollen jeweils zweiteilig und teilweise auch zweisprachig sein. Es gibt in jeder Veranstaltung einen informativen-interaktiven Teil als Workshop-Format und einen künstlerischen Teil in Form von Theater, Performance, Lesung oder Video. In München ist dann die Auftakt und Abschlussveranstaltung als Theaterprojekt geplant und in das Gesamtprojekt als Baustein eingebettet.

In Polen in Bartoszyce/ Bartenstein, am Ort der Mühlenanlage und unweit davon, in Olsztyn/Allenstein,  steht, als letztes Zeugnis jüdischen Lebens in dieser Gegend  (der jüdische Friedhof ist heute Teil einer Mülldeponie), das „Mendelssohn“- Haus, ein ursprüngliches Gebetshaus, das von der NGO Borussia renoviert wurde und für Veranstaltungen genutzt wird. Auch dort soll es eine Start und eine Abschluss Veranstaltung geben. Die in München erarbeiteten Theaterelemente werden nicht als „Gastspiel“ exportiert, sondern für diese Orte wird eine adäquate Umsetzung, auch unter Beteiligung von regionalen Mitwirkenden entwickelt werden. Interaktiv-informative Workshop und Gesprächsformate begleiten die Veranstaltungen. In die Präsentation von Dokumenten und Recherche-Ergebnissen sollen Fachleute aus historisch-wissenschaftlichen Bereichen, mit denen bereits seit längerer Zeit ein Austausch über die Fragestellungen des Projektes besteht, einbezogen werden, ebenso Studenten des Masterstudiengangs „Public History“ an der FU-Berlin.

So werden (generationenübergreifend und im deutsch-jüdisch-polnischen Kontext) die Fragestellungen der „Mühlengeschichte“ auch Feldforschung sein. Die Fragen, die wir an die Vergangenheit stellen müssen, sollten wir auch an uns selber stellen.

Kontakte, Fachberatung, Projektunterstützung

Zur weiteren inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung bestehen Kontakte zu weiteren Mitgliedern der Familie Meyer-Graetz, zum „NS -Dokumentationszentrum München“ zu Dr. Ruth Leiserowitz, die am DHI in Warschau forscht. Außerdem wird die NGO Borussia in Olsztyn/Polen aktiv als Kooperationspartner tätig sein. Die NGO Borussia ist in Kultur und Bildungsarbeit tätig. Das Projekt steht ebenso im Kontext der gegenseitigen Verständigung.

Fachleute wie die Historiker Dr. Christian Rohrer aus Berlin, Dr. Iris Nachum aus Tel Aviv werden im Hintergrund weitere Archivrecherchen begleiten und Ergebnisse analysieren. Zur weiteren Finanzierung des Gesamtprojektes sind Anträge an die “Kulturstiftung des Bundes“ und/oder die Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ geplant. Eine Zusammenarbeit mit dem „Institut für angewandte Geschichte“ in Frankfurt an der Oder ist ebenso avisiert wie eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem „Kulturforum östliches Europa“ und dem Dokumentationszentrum in München.

Das Projekt soll im gesamten Verlauf im Netz auf einer eigenen Website dokumentiert und in Audio/ Video und Textformaten vermittelt werden.

Nach Jahrzehnten des Familienschweigens und Vergessens können private Dokumente und Materialien aus Archiven vielleicht doch noch genauere Auskunft geben.   Oder neue Informationen zerstören den Wunsch nach den -in der NS-Diktatur- „anständig“ handelnden Vorvätern . Das Risiko besteht.

 

 

Femizid aktuell Österreich/Deutschland

Quelle: ntv.de, mli/dpa

Maßnahmen gegen Femizide geplant Weiterer Tod von Frau schockt Österreich

Eine Serie von Tötungen von Frauen in Österreich hat Bestürzung und Rufe nach politischen Maßnahmen ausgelöst. Nachdem eine Frau in Wien mutmaßlich von ihrem ehemaligen Lebensgefährten mit einem Kopfschuss getötet worden war, kündigte die Regierung am Freitagabend ein Maßnahmenpaket an. Seit Jahresbeginn gab es bereits neun Fälle, bei denen Frauen umgebracht wurden und die Verdächtigen ihre Partner oder Ex-Partner waren.

Die 35-jährige Frau und zweifache Mutter wurde laut Polizei am Donnerstagabend in ihrer Wohnung erschossen. Der Fall erregte auch wegen des 42-jährigen Verdächtigen großes Aufsehen. Die nunmehrige Fraktionschefin der Grünen, Sigrid Maurer, hatte ihn im Jahr 2018 öffentlich beschuldigt, ihr frauenverachtende Facebook-Postings geschickt zu haben. Der Mann, ein Bierhändler, reagierte mit einer Klage wegen übler Nachrede, ließ sie jedoch schließlich fallen.

„Ich bin zutiefst erschüttert. Das ist unerträglich“, schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Twitter über den jüngsten Fall. „Entschlossene Maßnahmen sind jetzt endlich dringend erforderlich“, forderte der ehemalige Chef der Grünen.

Innenminister Karl Nehammer und Frauenministerin Susanne Raab von der konservativen ÖVP kündigten einen „Sicherheitsgipfel“ mit führenden Polizeibeamten für Montag an. Dabei soll es unter anderem darum gehen, wie Behörden durch engere Zusammenarbeit gefährdete Frauen besser schützen können. Während Raab betonte, dass jede betroffene Frau Schutz und Hilfe in Anspruch nehmen könne, klagten Opferschutzorganisationen erneut über völlige Überlastung und mangelnde staatliche Unterstützung.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

Lüge oder Wahrheit

Der Angeklagte im Prozess 2014

 

Ich selber hätte im Podcast gerne mehr von den Reaktionen und Einlassungen des Winfried Brenner, vormals Winfried Ratajczak ezählt. Ich habe ja auch den Prozess im Jahr 2014 mitgeschrieben. Aus den Verfahren des Jahres 1983 haben wir eine (auszugsweise ) Niederschrift, aus dem Prozess von 1985, der dann mit seiner Verurteilung wegen Mordes endete, die Prozess-Unterlagen, als auch seine ersten Geständnisse aus dem Februar 84. Des weiteren einige Protokolle der angefertigten Gutachten. Von Seiten der Redaktion musste aber vieles, was thematisch ebenso interessant wäre, herausgenommen werden. Das hatte letzlich Gründe der Dramaturgie bzw. der dann doch begrenzten Folgen und der vielen Inhalte, Personen und Geschichten, die wir ohnehin schon hineingepackt haben.


Seine Aussage bezüglich der Tat in Wien ist im Protokoll direkt nach der Festnahme am Abend des 12.2.84 direkt und vielleicht die „ehrlichste“ von allen Modifikationen, die er noch von sich geben wird:


„Ich habe am Freitag den 1o.2.1984 gegen 17.oo Uhr, meine frühere Lebensgefährtin Konstanina Ulitsch vor ihrem Wohnhaus in Wien 14., Kaltenbäckg. 2, nachdem ich dort auf sie gelauert hatte, ·mit meiner Pistole, Marke FN, Kaliber 7,65 mm, erschossen. Im Vordergrund meiner Tat stand Rache. Sie hat mich angezeigt und deswegen war ich eingesperrt. Sie hat auch meine Persönlichkeit zerstört. Den Mann, der mich hindern und halten wollte, habe ich angeschossen und beim Handgemenge mit meinem Messer niedergestochen. Dieses Messer wurde mir bei meiner Verhaftung abgenommen.“


Im Dezember 83 findet  das 1.Verfahren gegen ihn statt, weil er wegen Vergewaltigung, schwerer Drohung gegen Konstantina Ulitsch und wegen Betrugsdelikten in U-Haft sitzt. Er schreibt Konstantina Briefe aus dem Gefängnis, in denen er Reue zeigt und alles wieder gut machen will etc.  Sie will nichts mehr davon wissen, verständlicherweise. Das fasst er dann – nur als Beispiel für seine Art der Wahrnehmung – im längeren schriftlichen Geständnis am 13.2. folgendermassen auf:


„…..insbesondere konnte ich erkennen, daß ihr Verhalten nur von Haß gegen meine Person geleitet wurde. Ich war durch diese Erkenntnis so schockiert, daß ich vorerst keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich und sie wußten, daß ihre, bei Gericht beigebrachten Anschuldigungen zum Teil zu Unrecht bestehen und sie ihren unrechten Weg, den sie gegen mich eingeschlagen hatte, weiterverfolgen muß. Deswegen mußte sie mich immer aufs Neue belasten und neue Anschuldigungen vorbringen. Zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass mich Diana und ihre Mutter, die ebenfalls ihren Haß gegen mich versprühte, psychisch vernichten wollten. Ich kam zu dem Schluß, wenn mir Diana und ihre Mutter jede weitere Zukunft verbauen wollen, daß ich da reagieren müsse. Ich habe in Gedanken erwogen, Diana umzubringen, um von ihrem Haß befreit zu werden. Als Tatwaffe sah ich in Gedanken eine Pistole vor mir und stellte mir das Bild vor, wie ich sie erschießen werde. Von diesem Moment an, zog ich konkret in Erwägung, daß ich sie umbringen werde und ich habe damit begonnen alle Vorbereitungen zu treffen, damit ich dieses folglich einmal realisieren kann. Ich machte mir Gedanken wie ich mir eine Waffe beschaffen könnte.“

„Generell ist zu sagen, daß ich Dianahs Liebe wollte, nicht ihren Tod. Generell ist auch zu sagen, daß während der letzten beiden Wochen, insbesondere vor der Tat den Wunsch verspürte, Dianah zu töten, ich diesen Wunsch aber stets nicht bewußt werden ließ. Der Wunsch,begleitet von der Vision der Tat, daß ich Dianah also mit einer Pistole niederstrecken würde, erschien mir als Befreiungsakt….Eine seltsame Vorfreude erfasste mich, ein Gefühl, daß ich alsbald von einer mich erdrückenden Last befreit sein würde, Melodien von Schlagern hörte ich innerlich. Ich ging in die Kaltenbäckgasse….“
„Ich weiß undeutlich, daß ich auf Diana geschossen habe, sehe ein verwaschenes Bild, wie sie auf dem Bürgersteig liegt, erkenne dabei aber nicht die geringste Verletzung oder gar Einschüsse“


Aus diesen Zitaten aus seinem schriftlichen Geständnis vom 13.2.84 erkennt man das Schema, das er auch 2014 im Prozess anwendet. Man weiss nicht, was er davon tatsächlich auch  glaubt. Er leugnet nicht grundsätzlich das Geschehene, er findet aber tausendundeine Begründung, aus welchen Hemisphären er gesteuert worden sei und dass er das eigentliche Geschehen nicht mehr wirklich erinnere etc. Wobei seine Argumentation 2014 noch etwas anders gelagert ist, aber grundsätzlich hat sich in seinen Einlassungungen und an dem ihn selbst entlastenden System nichts verändert. Eigentlich ist er das Opfer. Etwas ist passiert, wofür er nur teilweise verantwortlich ist.


„…..kann passiert sein, an das ich mich in Einzelheiten nicht erinnern kann. Einzelne Bilder kann ich lediglich vergegenwärtigen, wovon eines ist, daß ich den mir zu dem Zeitpunkt seltsam klingenden Knall der Pistole höre, allerdings nicht in einer Vielzahl, so daß ich nicht weiß, wie oft ich gefeuert habe. Ich weiß nicht, wo ich örtlich die Schüsse auf Dianah abgegeben habe“


Im Prozess von 2014 wird er -auf den Mord an Konstantina Ulitsch in Wien angesprochen- etwas vom leisen Klang einer Kinderpistole erzählen. In Bezug auf den massivst von ihm verletzten Georg Blam, den Konstantina zu ihrem Schutz her gebeten hatte, der Winfried Ratajczak nach den Schüssen von hinten ansprang und mit ihm kämpfte und dem er durch die Schulter schoss und ihm schwerste Messerverletzungen zufügte, äussert er:
„Ich bedaure sehr,  jemanden verletzt zu haben, der sich in diese Angelegenheit einmischte, mit der Absicht zu helfen und Unheil zu verhüten. Diesen Mann zu verletzen war keine in irgendeiner Form geplante oder beabsichtigte Handlung. Ich wußte nicht, daß dieser Mann ein Kriminalbeamter war, wie mir später mitgeteilt wurde.“


Und sich selbst bedauernd, auf die Frage nach seinen finanziellen Verhältnissen:

„Ich habe kein Vermögen mehr, ich habe meinen ganzenVerdienst und mein Vermögen in Dianah investiert „


Was natürlich auch eine entsprechend haarsträubende Aussage ist, denn er ist schon vollkommen überschuldet aus der BRD zu Konstantina gezogen, hat in Österreich wiederum Schulden aufgehäuft, mit ungedeckten Schecks betrogen, nach seiner Freilassung im Januar 1984 von seinem Bekannten Mayer, der ihm einen Job und eine neue Unterkunft verschaffte, am Tattag 20.000 Schilling „geliehen“ und den Bekannten bei einem Verkauf von Heizungselementen aus dessen Lager um 14.000,- geprellt und sich anschliessend von dem Geld die Tatwaffe beschafft. Dies war ja bereits die zweite Waffe, die erste hatte man ihm bei seiner Verhaftung, nach der Vergewaltigung von Konstantina, der Wohnungszerstörung und der Geiselfahrt mit Waffe am Kopf von Konstantina abgenommen. Um von all dem abzulenken hatte er dann noch einen seiner inszenierten Selbstmordversuche unternommen und auf diese Weise Schutz in der Klinik gesucht.
2014, in der Rückschau, stellt er die brutale Taten von 1983 und 1984 stichpunktartig so dar:


„….. Sie ist oft nicht nach Hause gekommen, hat auf Fragen ausweichend geantwortet. Diese Situation habe ich nicht verkraftet, habe im Zuge des Ausnahmezustandes Wutanfall gehabt. Wurde verhaftet, habe Job verloren. Ein halbes Jahr später aufgrund Gutachten entlassen. Gelöbnis ihr sich nicht zu nähren. Berufliche Situation vorher: Nebengeschäfte mit Heizungsanlagen in der Wiener Peripherie. Mit viel Geld unterwegs. Braucht man Waffe dafür. Im Zuge dessen für 10000 Schilling Pistole besorgt. Nicht gedacht die Pistole später so ein…..hatte Pistole eingesteckt. Hatte sie gesehen, bin auf sie zugelaufen, habe sie erschossen. Habe nicht wahrgenommen, sie in Begleitung ihres Sohnes. Diese Ulitsch leider tötlich getroffen. Polizeibeamten verletzt mit Messer…“


Er ist ein Meister der rhethorischen Verschleierung. Er lügt so weit es ihm möglich erscheint. Was gar nicht zu leugnen ist, gibt er grundsätzlich zu. Diese Art von Darstellung wiederholt sich in allen Aussagen. Der Tod von Konstantina, später dann von Saskia wurde nur indirekt von ihm verursacht. Die Frauen haben ihn verletzt durch Zurückweisungen, ist der grundsätzliche Tenor.
In Wien wurde er 1983 in der U-Haft durch den verständnisvollen Psychiater  Dr. Gross, ehemals für die Euthanasie von Kindern zuständig, unterstützt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Gross  ) In dem Gesprächsprotokoll, das dem im Januar 1984 erstellten Gutachten zugrunde lag, fordert der Gutachter Winfried Ratajcak geradezu heraus, sich als Opfer dieser unberechenbaren Frau wahrzunehmen, die ihn und seine Liebe zu ihr ausnutzt. Auch sein Verteidiger Eichenseder schlägt genau in diese Bresche. Und er hat seine Meinung bis heute nicht revidiert. Wie er im Interview mit uns im Februar 2020 versichert, war der Mord an Konstantina Ulitsch nach der Haftentlassung von Ratajcak ganz klar eine „Beziehungstat“. ( Natürlich haben alle diese Taten einen Ursprung in einer privaten Beziehung, aber der Begriff bedeutet bisher- und leider auch in seiner Auslegung im Rechtssystem- dass man dem Mann zugesteht, er hätte aus einem verständlichen Motiv, Eifersucht etc. gehandelt und somit ist die Tötung der Partnerin mehr oder weniger ein Kavaliersdelikt, etwas, was eben mal passieren kann )
An den Mordprozess kann Eichenseder sich nicht mehr erinnern, er hätte keinen Akt mehr davon. Gut erinnern kann er sich aber an das Verfahren im Dezember 1983, wo eben Konstantina Ulitsch mit dem „Riesen- Busen “ auftauchte und seinen Mandanten bis aufs Blut reizte. Zum Tod meiner Cousine und somit zum erneuten Morden seines ehemaligen Mandanten sagt er gar nichts, er geht darauf überhaupt nicht ein.
Der Tod von Konstantina Ulitsch sei bedauerlich aber unvermeidbar gewesen. Alle hätten ja noch auf Ratajczak eingeredet, versucht ihm klar zu machen, dass die Beziehung entgültig vorbei sei und er das akzeptieren muss. Aber mehr hätte man gar nicht machen können. Und auch Eichenseder weiss genau, was er sagen will und was nicht. Und auch er betreibt im Nachhinein eine Verschleierung der Historie. Die Entlassung Ratajczaks wurde, wie bekannt, kurz nach dem Gutachten und der Auflage, keinen Kontakt aufzunehmen, vom Richter, der noch im Dezember 1983 gesagt hatte, er könne eine Enthaftung des R. nicht verantworten, dann im Januar 1984 doch unterschrieben. Wieso er das dann doch tat? Sicher hat es im Hintergrund irgendwelche Absprachen gegeben, oder der Richter wurde von Anwalt und Gutachter überredet, alles Spekulation.
Winfried Ratajczak, dessen massive Gewaltanwendungen gegen Konstantina Ulitsch im Juni und Juli 83 eine gewisse Hilflosigkeit bei der Justiz hervorriefen, hatte ja schon im Juni/Juli 83 das gelobte Kontaktverbot vollkommen ignoriert, wieso sollte er sich jetzt daran halten?
Der Richter, der sich dann nach der Tat auf das positive Gutachten berief, hätte ihn genau genommen nicht frei lassen müssen. Denn das vom Staatsanwalt im Verfahren im Dezember 83 beantragte Gutachten sollte gar keine Prognose abgeben, das war und ist nicht die Aufgabe eines solchen Gutachtens, sondern nur die Schuldfähigkeit des Untersuchungshäftlings beurteilen. Der Richter hatte ja noch vorher gesagt, er wolle R. nicht aus der U-Haft lassen, denn er könne es nicht verantworten.
Und prompt geschah das vorhersehbare Verbrechen. Was dann Anwalt Eichenseder wirklich gedacht hat und wie es ihm möglich war, erneut die Verteidigung des Winfried Ratajczak aufzunehmen, das bleibt sein Geheimnis. Und klar: er ist Profi.
Als es dann 1985 zum Mordprozess kommt, apelliert er, laut Prozessberichterstattung in seinem Schlussplädoyer sinngemäss an die Geschworenen: „Egal, ob sie auf Mord oder Totschlag entscheiden, bedenken Sie, er hat den Menschen getötet, den er am meisten geliebt hat! . Und prompt sind bei der Abstimmung auf die Fragen an die Geschworenen, zwei Geschworene nicht überzeugt, dass er Konstantina Ulitsch vorsätzlich getötet hätte. Die beiden stimmen mit nein. Natürlich sind das alles Details und vielleicht auch nicht wichtig sie zu erörtern, aber jede einzelne Entscheidung steht in einer Kette von Entscheidungen, die sich gegenseitig beeinflussen.
Er wird wegen Mordes verurteilt, aber er bekommt „nur“ 20 Jahre, obwohl möglich gewesen wäre, ihm ein, in Österreich damals mögliches“ Lebenslänglich“ zu geben. Diese 20 Jahre sind, so erklärt mir eine befreundete Staatsanwältin, soger relativ streng veranschlagt für eine „Beziehungstat“ zur damaligen Zeit. Die Mordmerkmale sind in Wien klar ersichtlich und nicht anzweifelbar. Im Vergleich: Bei der Tötung von Saskia konnte die Kammer 2014 z.B. die „niederen Beweggründe“ und eine planvolle Tötung nicht klar identifizieren oder wollte das nicht. Ja, sie lässt dem Täter doch die Möglichkeit, dass er aus Angst vor der Trennung durchgedreht ist. Also doch auch hier: „Reste von gestern“, ein gewisser Bonus für den Täter, der für sich sprechen kann, während das Opfer eben einfach tot ist.


Die rhethorischen Fähigkeiten des Täters- auch wenn die Kammer 2014 ganz klar sieht, dass er vieles falsch darstellt, haben aber letztlich doch einen untergründigen Einfluss. In seiner Einlassung, seinem „Rückblick“ auf die Zeit vor dem Wiener Mord, mildert und verdreht er auch die Vorwürfe bezüglich seiner Ehefrau in Paderborn, Marion. Der Vorwurf, sie sei aus Angst vor ihm, weil er mit einem Messer vor ihr stand, vom Balkon gesprungen ( es gbt dazu auch ein Aktenzeichen in Paderborn) bezeichnet er als:


„Verleumdung von früherer Frau, Vorwürfe, sie ist persönlicher Feind ab 1984 gewesen. Sie hat sich nicht um Kinder gekümmert. Vorfall angeblicher: sie ist so erschrocken und vom Balkon gefallen. Bedrohung mit Messer nicht zutreffend. Sie wusste, daß ich Messer besaß, als Zimmerschmuck. Sicher bin ich vielleicht verzweifelt gewesen. Besänftigung durch Bruder, Messer nicht gegen sie….Habe Suizidversuch mit Barbituraten….“


Der Anwalt der Nebenklage, Walter Lechner, geht Brenner ganz direkt an und fragt:
„Ist das Lüge ? Lügt die Frau, wenn sie von Gewaltsex spricht? Das entarnt Sie glaubwürdig. Von dem was Sie erzählen, was ist gelogen, was ist Wahrheit?“
Brenner antwortet:


„Keine Aussage, bis auf Nebensächlichkeiten trifft zu, zu keinem Zeitpunkt. So absurde Lügen. Als sie zum ersten Mal aufgetaucht sind, hätte ich sie leicht anzeigen können. Das hat nicht zugetroffen. Hatte Vorfall gegeben, bei dem ich mich im Haus aufgehalten hatte und ihr Vorhaltungen gemacht hatte, sie sie sei keine fürsorgliche Mutter. Die Kindersachen schmutzig, der Haushalt… Sie ist in der Tat auf den Balkon und gesprungen und zur Nachbarin gegangen. Ich wollte weder mit ihr schimpfen noch sonst etwas. Das war ein Unfall“ .


„Sie wußte, daß ich Messer sammle. In den Urlauben Finnenmesser, in Kroatien Messer. Damit habe ich nichts gemacht, geschweige denn jemanden bedroht.Das ist eine unglaubliche Schilderung, die hätte ich ja kennen müssen. Meine Schilderungen sind wirklich war.


Da kann man im Nachhinein, nach den Recherchen zu seinen früheren Beziehungen, nur bitter lachen. In dem Moment aber, als ich im Gerichtssaal sass und seine Aussagen hörte, war ich natürlich auch versucht, ihm zu glauben, da er ja ganz ernsthaft betroffen schien. Aber gerade das ist ja bei ihm nicht einzuschätzen. Über Jahrzehnte wurde seinen Beteuerungen dann doch immer wieder einmal geglaubt und selbst nach dieser vorerst letzten Brutalität seines Lebens, bleibt er bei seinen Selbstdarstellungen:


„Ich kann es nicht erinnern, nur weiß ich, ich war zu tiefst verletzt, zu tiefst verzweifelt, kann mich erinnern von Mozart ein bestimmtes Stück gehört zu haben. Das hat dazu geführt, daß ich ein einziges Mal vielleicht ausgerastet bin.
All diese Vorwürfe, mich betreffend, treffen an keiner Stelle zu. Ich habe ja 20 Jahre ohne Makel gelebt. Wenn ich so abwegig, so krank wäre, müsste dort ja auch etwas vorgefallen sein. Nicht im Ansatz waren Messer im Spiel oder eine Bedrohung. Meine Frau könnte nichts anderes sagen. Bitte, Herr Staatsanwalt !“

Was seine österreichische Ehefrau Marianne B. tatsächlich dazu sagt, wissen wir nicht. Sie antwortete weder auf Schreiben, noch reagierte sie, als wir in Wien bei ihr klingelten.
Er stellt sich als Saubermann und sensibler Ehrenmann dar. Natürlich glaubt ihm die Kammer eigentlich kein Wort, aber alles was er abstreiten und leugnen oder verdrehen kann, weil es ja ohnehin lange in der Verangenheit liegt, das probiert er zumindest. Irgendwen wird er damit schon beieinflussen können. Und wenn es der Prozessberichterstatter oder ein Gutachter ist. Mitleid erwecken, manipulieren, Macht ausüben, das kann er.
Nach seiner Entlasssung 1996 nmmt er sofort Kontakt zu seinen Söhnen auf, versucht diese auf seine Seite zu ziehen. Sohn Kai, ohnehin schon durch seine traumatischen Erlebnisse schwer angeschlagen und drogenabhängig, hält das alles nicht mehr aus und begeht Selbstmord.
Brenner schiebt den Tod seines Sohnes auf die Russenmafia, die seinen Sohn mit einer Plastiktüte erstickt hätte, aber er hätte sich um die genauen Umstände nicht kümmern können. Etwas kryptisch rutscht ihm immerhin die Bemerkung heraus:

„Da habe ich eine Schuld auf mich geladen“.

Was noch ein paar Jahre davor, Anfang der 1970er in Finnland passiert ist, muss er wohl oder übel zugestehen, denn das wurde polizeilich ausführlich protokolliert ( obwohl letztlich in Finnland, mangels Beweisen, keine Strafverfolgung stattfand, sondern nur eine Ausweisung ) :


„… in Finnland ist es, habe ich jetzt nicht mehr im Kopf gehabt, zur Ausweisung gekommen. Es ist zu einem gänzlichen Fehlverhalten gekommen, daß ich meine frühere Frau bedroht und leider- kann es nicht anders sagen, vergewaltigt habe. In diesem Zusammenhang ist als Drohwaffe auch ein Messer gefunden worden.“


Hier ist es zufällig dann doch, das Messer. Obwohl er ja Messer höchstens als Wandschmuck verwendete.
Als er dann im Prozess 2014 auf den Tag der Tat und somit auf Saskias Tod angesprochen wird, scheint er zwar emotional beteiligt und bewegt, aber der Prozessbeobachter fragt sich, ob seine Tränen nicht wirkliches Mitleid und Reue darstellen, sondern theatralische Tränen des Selbstmitleids sind.
So eine extrem narzisstischte Interpretation seiner sozialen Umgebung kann Ursachen in seiner Entwicklung als Kind und Jugendlicher haben. Auch die Verknüpfung von Liebe und extremer Strafe: Wenn sich eine von ihm begehrte Person weigert, ihm unabdingbare Liebe zu geben, sich von ihm abwendet.


Mit dem Kind, das er einmal war, könnte man noch Mitleid haben. Wie aus meinem Gespräch mit seinem Bruder hervorging, war Prügelstrafe in der Familie R. normal, so wie in vielen Familien. Prügelstrafe verbunden mit einer „christlichen“ Nachkriegs- Erziehung. Besonders geschlagen wurden die Söhne vom Vater, wenn sie gelogen hatten, also gewöhnten sie sich an, noch mehr und besser zu lügen. Auch wird das katholische Internat, auf das Winfried zeitweise geschickt wurde, sicher auch seinen Anteil gehabt haben. Das war „normal“. Der Bruder berichtet davon, wie er selber versuchte sexuelle Übergriffe der Padres abzuwehren und dass sein Bruder Winfried auf dem Internat missbraucht worden sei. Alles heute nicht nachweisbar. Dass da „Schuld und Sühne“ das Kind Winfried nachhaltig geprägt haben, ist anzunehmen und darf doch keinesfalls als Entschuldigung für sein späteres Handeln gelten.


„Darf ich ein persönliches Wort vorrausschicken an Freunde und Verwandte: Ich neige mein Haupt vor deren Schmerz und Zorn, ebenso mein Haupt vor der toten Saskia, in tiefster Reue und immerwährender Verzweiflung.“


Zu den Ereignissen des 11./12.8. 2013 beginnt er mit wohl gesetzten Worten eine neue Legende und man merkt deutlich, wie er eigentlich nur um sich selber kreist, seine Ängste und Gefühle ständig in den Vordergrund stellt und eben nicht wahrnimmt, in welcher Situation sich Saskia befand und auch nicht zugibt, dass -laut einer Aussage des Bruders gegenüber der Kripo, die der Richter eher zufällig zitierte- Saskia zu eben diesem Bruder Ernst- Rainer am Telefon, am Nachmittag der Tat, gesagt haben soll: “ Der Winfried hat ein Messer“, „Ich habe Angst zu sterben“, „Jetzt weiss ich, was der Winfried gemacht hat“.

Mir gegenüber im Februar 2020 wusste der Bruder das dann alles nicht mehr so genau.
Leider wollte der Bruder im Prozess nicht als Zeuge aussagen, da er mit Winfried absolut nichts mehr zu tun haben wollte und will und somit konnten seine Aussagen wohl nicht verwertet werden. Das Gericht hätte wohl die Möglichkeit gehabt, über Umwege, seine Aussagen trotzdem verwenden zu können. Diese Mühe hat man sich nicht gemacht. Wir haben diese Protokolle der Kripo leider auch nicht zu Gesicht bekommen, weil wir nicht an Gerichts-Akten von 2013/24 herangekommen sind. Aber Anwalt Lechner, der die Akten ja eingesehen hatte, hatte damals Inhalte aus den Protokollen angedeutet. Auf diesem Hintergrund sind Winfried Brenners weitere Einlassungen geradezu zynisch:


„Wir hatten uns versichert uns noch zu lieben, unbedingt würde eine Aussprache ausstehen. Am Sonntag hatten wir vorgehabt zu sprechen, wie wir zueinander gestellt wären. Die Unsicherheit verbalisieren und ja….. dummerweise sich Mut angetrunken dazu. Ich hatte die Befürchtung, die Trennung ausgesprochen zu hören und das hätte mich sicherlich nicht kalt gelassen. Wir haben uns dann selber zugeprostet in der Küche und haben nach Kaffee und Likör auf den Balkon gewechselt.
Dann hat Saskia Telefonate angefangen. An manchen war ich beteiligt, bei den meisten bin ich daneben gesessen und habe zugehört. Ich habe zunehmend Alkohol genossen und war nicht in der Lage etwas sinvolles zu tun. So verging der Nachmittag mit Trinken und Telefonaten. Ich kann mich erinnern, sie hat mit meinem Bruder gesprochen, mit Kostas aus Berlin, mit dem hat sie ja schon öfters telefoniert. Mein Anliegen zu sprechen wurde nicht eingelöst. In meiner Erinnerung hat sich dann die Stimmung verschlechtert, verdüstert. Die Ängste vor einer Trennung der Beziehung wurden immer intensiver. Ich bin in Gedanken dem gefolgt, der Trennung, habe mir das vorgestellt, hatte jeden Sinn verloren. Ich will das nicht bewerten. Ich wollte ein Ende vollziehen und dem nachkommen indem ich ein Messer, das ich aus meinem Haushalt mitgebracht hatte, im Wohnzimmer an mein Herz gelegt hatte. Ich habe gesagt: „Du hast mich verraten“. Saskia wollte das Messer wegnehmen: „lass das, du bist mein Zwilling“ .Dabei hat sie sich selber an der Hand verletzt. Sie wollte mich auf andere Gedanken bringen. „Komm gehen wir ins Bett“ und hat ihr Höschen ausgezogen. Ich erwiderte: „Ich kann nicht, geht nicht in dieser Sitution“. Ich kann mich nicht erinnern, habe mich ebenfalls entkleidet. Aber das war nicht meine Einstellung zu Liebe, zum Zusammensein. Mir war klar: das ist nicht die Wirklichkeit. Saskia hat sich in einen Sessel gesetzt und dann gesagt, sie gehe noch rasch auf die Toilette. Und dann höre ich die Wohnungstür öffnen und sie hat sich in den Flur gestellt und gerufen: „Hilfe. Hilfe, ich sterbe jetzt“. Sie war nach draußen gelaufen. Wieso ruft sie „Ich sterbe jetzt“?“


Er müsste doch ganz genau wissen, was ihn selber angeht, in so einer Situation: Es wiederholt sich etwas. Aber er geht nicht einfach weg. Hinüber in sein Appartement, auf die Straße, sonstwohin, stürzt sich vor den Zug, vergiftet sich, das könnte er ja tun. Sein Ego ist gekränkt und es muss zufrieden gestellt werden und das geht nur in dem er wieder Macht erlangt und sei es durch die Hinrichtung des Partners.
Die Kontaktaufnahme mit dem Bruder, weist aber deutlich darauf hin, was im Raum gestanden hat. Der Bruder erzählt im Gespräch davon, dass Saskia Angst gehabt hätte zu sterben, dass er sogar nach Prien fahren wollte, aber nicht konnte, es auch nicht wirklich geglaut habe, dass sein Bruder so blöd sein würde, nochmals so etwas zu tun. Ganz genau könne er sich nicht erinnern. Das alles weist darauf hin, dass es keine spontane Gewaltentladung war, sondern sich über Stunden vielleicht hingezogen hat. Die Kammer des Landgerichtes Traunstein hat diese Telefon-Situation mit dem Bruder fast gänzlich übergangen.
Der Bruder wurde als Vermittler hinzugezogen, so wie er wohl des öfteren schon in Konflikt-Situationen seines Bruder Winfried in verschiedenen Beziehungen eine Rolle spielte. Aber auch der Bruder zieht sich heraus, gibt zu, dass es eine kritische Situation gab, am anderen Ende der Leitung in Prien am Chiemsee, aber dass nochmal sowas passieren würde, hätte er nicht vermutet.
Winfried selber stellt dann den eigentlichen Tatverlauf so dar:


„Das habe ich weder gedacht noch gewollt, eigentlich wollte ich sterben. Ich nehme an, ich hatte die Augen geschlossen, stehe mit dem Messer -ich hatte keine Erfahrung mit Messern- gleichzeitig sollte ich das Diktum erfüllen: „Ich sterbe jetzt hier“. Sie war weiter gegangen. Das habe ich nicht beabsichtigt. Augenscheinlich habe ich mit geschlossenen Augen auf dem Gang auf sie eingestochen. Sie ist am Treppengeländer gestanden, dann sinkt sie zusammen. Ich habe versucht sie in die Wohnung zu ziehen. Ich spüre, es hat eine Verwandlung gegeben. Ich greife nach ihr und ich versuche ihr Leben zu finden. Dann habe ich meine Tat bemerkt. Das hat mich hart getroffen.
Wollte mich dann selbst …. habe aber in der Panik das Messer nicht gefunden, bin in meine eigene Wohnung und habe anderes Messer gesucht. Die Nachbarin hat geläutet, ich habe kurz gesagt, es sei alles in Ordnung. Kurz danach hat es geklopft und die Polizei bittet um Einlaß. Ich war im Bad, habe mir die Bauchdecke durchstoßen. Mußte mich spontan entleeren. Habe mir erneut die Bauchdecke durchstoßen um zum Herzbeutel zu gelangen. Es schmerzte gar nicht in der Zeit. Die Polizei hat mich an der Tür zum Badezimmer mit Pfefferspray attakiert. Da war für mich natürlich klar, was ich angerichtet hatte. In dem Sinne bin ich ja auch gestorben, biologisch bin noch noch am Leben. Für mein jetziges Empfinden war es ein erweiterter Selbstmord. Obwohl Saskia jetzt als erste gestorben ist.
Muß dazu sagen: Lügen hätten kein Sinn, ich würde alles zugeben, was als Möglichkeit einzuräumen wäre. Sicher war es eine Ausnahmesituation.


Jetzt wird es wirklich vollkommen grotesk, indem er das Stichwort „Lügen“ selber aufgreift und unglauliche Ausreden und Darstellungen vorbringt. Winfried als Erfüller eines Diktums, als ausführender Helfer ihres Wunsches zu sterben. Wieder so eine rethorische Seifenblase. Er glaubt sich das vielleicht tatsächlich, ist ergriffen von seinem eigenen Schicksaal. Er hat sich alles so zurechtgelegt als tragischer Held, der eigentlich nur das Beste wollte. Ich bitte meine unsachlichen Sarkasmus zu entschuldigen, aber eigentlich spottet er über die Tote und das Gericht kann ihm keinen Einhalt bieten. Anwalt Lechner wird in seinem Schlussplädoyer auf diese Lügenarie und Winfried Brenners Selbstgerechtigkeit eingehen und sehr emotional und über sein Amt hinaus den Angeklagten angreifen und ihm vorwerfen, dass er hier grosse Worte schwingen würde und eigentlich nur ein brutaler Messestecher sei, der sich selbst nicht in Gesicht sehen könnte: „Absolut schäbig, wie Sie sich hier verhalten haben“.
Denn eine sehr wahrscheinliche Annahme der Wirklichkeit dieses Nachmittags ist: Er hatte schon längere Zeit Saskia mit dem Messer bedroht, sie vielleicht sogar weiter telefonieren lassen. Er hatte ihr irgendwann mit dem Tod gedroht, sollte sie aussprechen, dass sie nicht mehr mit ihm zusammensein will ( worüber es wahrscheinlich zwischenden den beiden schon des öftereren Auseinandersetzungen gegeben hatte). Er hatte ihr offenbart, schon einmal eine Frau getötet zu haben, weil diese sich trennen wollte.
Er gibt sogar in der Verhandlung kurz und kryptisch zu, er hätte sie zum Schweigen bringen wollen, er hätte einen drohenden Eklat verhindern müssen. Der Richter fragt an diesen Stellen leider nicht nach.
Er fragt allerdings in Bezug auf das zum angeblichen Selbstmord gezogene Messer, ob er, Brenner, sich damit nicht Liebe erzwingen wollte? Dem Richter und der Kammer ist klar, dass -auch in Anbetracht all der Vortaten und der Hinweise in Saskias Wohnung, in Anbetracht des nackten Opfers, des halbnacktenTäters, eine versuchte Vergewaltigung absolut anzunehmen ist, doch eben ohne Zeugen nicht beweisbar ist, letzlich zur Aburteilung nichts beitragen kann. Sie glauben ihm kein Wort, aber prüfen nur da weiter, wo es um die eigentliche Tat geht. Man drückt aufs Tempo, das Strafmass ist von vornherein kalr, man will die Sache fachgerecht zuende bringen, man hält sich an diffusen Punkten nicht länger auf.
Das kann im Nachhinein noch wütend machen, denn genau hier wird ja letzlich das Opfer und die Situation übergangen, in der sich Saskia befunden hat und die Brutalität und die seelische Grausamkeit, die Winfried schon im Zeitraum vor der eigentlichen Tat herauskehrte. Diese Würdigung ist eben nicht Aufgabe der Verhandlung und das ist bitter. Da es keine Zeugen und Beweismittel gibt, wird im weiteren -kurzen- Verlauf dieses Prozesses nur das Tatgeschehen an sich, der mit zahlreichen Spuren relativ deutlich nachvollziehbare Tatvorgang und dessen Be- und Aburteilung im Mittelpunkt stehen.
Ratajczak beharrt auf seiner Version der Liebes und Verzweiflungs-Tat:

„Ich habe Ihnen geschildert, meine hochgradige emotionale Abhängigkeit. Da besteht kein Zusammenhang zur anderen Tat. Sie war meine Diana. „Du bist meine Göttin“, habe ich gesagt, ohne sie wollte ich nicht leben.“


Auch Konstantina nannte er „Diana“, er wiederholt sich und sein Schema. Und hat sich neue Fantasien überlegt:


„Ich wäre sicherlich bereit gewesen -mit der Zeit- mich komplett zurück zuziehen. Durch ihr „ich sterbe jetzt“ ist überhaupt erst die Situation entstanden. Hätte sie anderes gesagt, hätte ich anderes gemacht. Das habe ich als Aufforderung interpretiert.
„Ich habe mich an keiner Stelle selber geschont bei diesem Geschehen, in diesem Zusammenhang. Es heißt, ich hätte 14 mal zugestochen. Wann habe ich gestochen? Man weiß, man hat zugestochen und dann fällt alles zusammen, erst an der Stelle“


Diese Aussagen machen mich auch beim erneuten Lesen vollkommen sprachlos. Dieser Mensch hat niemals an sich weitergearbeitet, nicht nach dem irren Geschehen in Wien, nicht im Gefängnis, nicht in der Zeit in Freiheit, in der Zeit seiner Beziehung zu Marianne Brenner, die das Glück hatte, nicht die „grosse Liebe“ zu sein, wie es auch der Richter am Schluss des Prozesses anmerken wird. Er ist nach wie vor von sich und seiner Auffassung überzeugt. Er hatte immer hin Einzeltherapie im Gefängnis, außerdem Psychodrama und Entspannungsthearpie und nach seiner Entlassung 1996 bis zum Jahr 2000 eine Therapieauflage und letztlich war er nicht thearpierbar.
Gutachter Professor Nedopil führt in der Verhandlung an, dass der Angeklagte ein sehr intelligenter Mensch sei und u.a. einem Gutachter (wie damals, dem Dr. Gross in Wien) glaubhaft gemacht habe, die Trennung von Konstantina Ulitsch überwunden zu haben. Seine Entlassung damals wäre ein Fehler gewesen. Der Angeklagte könne durch Intelligenz viel kompensieren.
Professor Nedopils Anmerkung weist deutlich darauf hin, wie gross das manipulative Potential des Winfried B. ist und wie er es geschickt in den Dienst seines Egos stellt.


„Als Kind habe ich einmal in einem Traum gesehen, wie sich mein Gesicht verändert und ich ein Idiot geworden bin. Nur ein Idiot kann seine Freundin umbringen.“


Einzig dieser Satz kommt vielleicht einer -wie auch immer gearteten Wahrheit- noch am nächsten.
Das letzte Wort hat der Angeklagte:


„Ich würde alles geben, um das entsetzliche Geschehen ungeschehen zu machen. Ich bin hier Anschuldigungen und Lügen ausgesetzt. Am letzten Tag vor Saskias Tod bin auch ich biologisch gestorben. Saskia war eine ungewöhnliche Frau. Sie hat ohne an sich zu denken in die Klinge gegriffen, Dafür werde ich mich bis zum letzten Atemzug schämen. Danke.“


Und selbst hier probiert er nochmal, sich als verirrter Liebender darzustellen, der aus dem Leben scheiden wollte und unglücklicherweise seine Partnerin dabei tötete, die in selbstlos vor der Selbstrichtung bewahrt hat. Fast möchte man ausrufen: „Ja, warum hast du dich dann nicht umgebracht, sondern Saskia?!“ Winfried will sich als das Opfer der Umstände und seiner sensiblen Liebe sehen. Er hat sich zum Richter ermächtigt, er hat sich eine „license to kill“ erteilt. Er hat das Todesurteil ausgesprochen gegen Konstantina in Wien 1984 und jetzt gegen Saskia 2013 in Prien. Ihr beider Vergehen war, sich von ihm trennen zu wollen, ihm nicht mehr gehören zu wollen. Dafür wurden sie von ihm zumTode verurteilt und von ihm in persona auch ausführender Henker hingerichtet. Dann war er zufrieden denn er hatte gesiegt.
Am Landgericht Traunstein wird er 2014 wegen Totschlags verurteilt zum strafrechtlichen Höchstmass von 14 Jahren. Plus der Option auf Sicherungsverwahrung, da eine weitere Gefährlichkeit anzunehmen ist. Es ist der Kammer da keine Nachlässigkeit vorzuwerfen, das bestätigt auch eine Staatsanwältin. Sie wollten ihn wegpacken und das haben sie auch gemacht. Das Urteil ist revisionssicher.
Und trotzdem: Wenn man selber den Prozess verfolgt hat und im Rückblick jetzt nochmal in Erinnerung ruft dann werden viele Defizite deutlich, die sich auch in der Urteilsbegründung ausdrücken. Die Urteilsbegründung ist ja bekanntlich eine interne juristische Abfassung, die in den Formulierungen stets vorsichtig abwägend sein muss und manche inhaltliche Kompromisse- entgegen der wahrscheinlichen Wahrheit- machen muss. Ich habe mir das lange erklären lassen, denn ich habe diese Begründung als nachträgliche Ohrfeige für Saskia und auch für die anderen Opfer gesehen. Dort sind teilweise die lügenhaften Aussagen des Angeklagten eins zu eins übernommen, weil man im Gericht diese nicht widerlegen konnte. So muss gelten, in dubio pro reo. Und dann steht dort eben, dass z.B. die frühere Ehefrau Marion Zagermann keiner Gewalt ausgesetzt gewesen wäre, obwohl jedem im Saal klar war, wie er sie behandelt haben muss. Aber man hat sich da nicht die Mühe gemacht, dafür z.B. in Paderborn vorhandene Aktenzeichen extra einzusehen etc. Und Marion Zagermann wollte, weil sie schwerkrank war und aus purer Angst vor diesem Mann nicht nach Traunstein kommen. Sie war telephonisch befragt worden. So „konnte sich das Gericht kein eigenes Bild von der Zeugin machen“. Und deshalb wurde niedergeschrieben, dass es keine Gewalt gegen die frühere Ehefrau gegeben habe. Die Vortaten waren sowieso für die Urteilsfindung für die Tat 2013 juristisch nur begrenzt relevant.
Und um auf Nummer sicher zu gehen und keine Revisionsmöglichkeit zuzulassen, hat man eben eine Gewaltanwendung gegen Marion Zagermannn als unwahrscheinlich protokolliert. Das hätte man, sagt auch die befreundete Staatsanwältin, auf alle Fälle zumindest besser abfassen können. So dass, bei aller Revisionssicherheit auch eine Würdigung des und der Opfer aufscheint. Man beliess dem Angeklagten in der Urteils- begründung auch seine Selbstmordabsichten und liess in Frage kommende Vergewaltigungsabsichten unter den Tisch fallen.
Und so wurde -zumindest in diesem Dokument, das zwar nicht für die Öffentlichkeit geschrieben ist, aber doch eine Niederlegung, ein Zeitdokument ist, seiner Perspektive in einzelnen Punkten recht gegeben. Man hat sich nicht die Mühe gemacht, zumindest anklingen zu lassen, was wahrscheinlich am Nachmittag passiert ist, aber im Detail vielleicht nicht nachweisbar. Auf diese Weise hat man ihm dann doch Zugeständnisse gemacht und er hat sozusagen das Gesicht gewahrt. Das Dokument muss lügen, um nicht angreifbar zu sein. Indirekt hat er zum wiederholten Male manipulieren können.
Auch wenn der Angeklagte mit seinen Märchen vom armen Liebenden kein mildes Urteil erfuhr, keinen strafrelevanten Bonus erhielt. Es wurde auf „Totschlag“ geurteilt und war bei genauerer Betrachtung und wenn man z.B. die Aussagen des Bruders von Winfried verwertet hätte- was vieleicht juristisch Mühe gemacht hätte- ein Mord gewesen. Mit vorheriger Androhung. Auch Konstantinas Mutter hatte er damals in Wien, geleich nach seiner Entlassung aus der U-Haft per Telefon bekannt gegeben: „Von dir werden nur ganz kleine Fetzchen bleiben, aber vorher muss ich noch etwas anderes erledigen.“
Es wird klar, dass eben auch 2014 immer noch die letztlich undurchschaubare „Beziehungstat“ im Hintergrund des Denkens und Urteilens stand. Massive Veränderungen sowohl im Bewusst sein der Justiz, als auch in den Möglichkeiten der Auslegung der bestehenden Gesetze, als auch einer Neuabfassung erscheint notwendig. Wäre die gesamte Form des Prozesses mit dem heute doch ausgeprägteren Bewusstsein anders augefallen?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“. So erschien es nicht, wenn man es aus Sakias Perspektive sieht. Was nicht wirklich relevant erschien, und wo man während des Prozesses nicht recht weiterkam, obwohl die Fragen im Raum standen wurde pragmatisch und rasch weitergespult, weil ja das Urteil wahrscheinlich ohnehin schon klar erschien. Und das ist der Punkt, der die Würde des Opfers betrifft, denn darauf wurde nicht eingegangen: In welcher Situation befand sich Saskia vor der Tat, die Geiselnahme und Messerbedrohung und versuchte Vergewaltigung vor der Tötung, diese besondere Infamie, hätten geprüft werden müssen, auch wenn sie nichts am Strafmass geändert hätten. Man hätte trotzde die Aussagen des Bruders gegenüber der Kripo zumThema machen müssen, um Winfried Brenner und seine Darstellung widerlegen zu können! Allein aus moralisch/ ethischen Gründen, der Person des Opfers und seinen Angehörigen und Freunden gegnüber. Das hat man nicht gemacht, aus juristischen Gründen oder auch aus Bequemlichkeit oder weil 2014 der Begriff eines Femizid noch gar keine Relevanz hatte.

Mord oder Totschlag?

 

Winfried Brenner wurde 1984 wegen Mordes in Wien zu 20 Jahren Haft verurteilt. Einen gewisssen Nachlass gab es trotzdem damals, man hätte auch ein tatsächliches Lebenslänglich verhängen können. Nicht alle Geschworenen waren überzeugt, dass er Konstantina Ulitsch absichtlich auf offener Strasse erschossen hatte. Andererseits waren die 20 Jahre für eine „Beziehungstat“ im Verhältnis zu sonstigen Verurteilungen doch ein relativ strenges Urteil.

2014, nach der Tötung meiner Cousine, bekam er wegen Totschlags die derzeit in der BRD höchstmögliche Strafe von 14 Jahren ( ein Jahr U-Haft angerechnet). Anschliessende Sicherungsverwahrung wird vom Gericht dringend angeraten. Der Anwalt der Nebenklage, Walter Lechner plädierte auf Mord. Die Kammer sah die Mordmerkmale nicht erfüllt. Man liess den Nachmittag vor der Tat im Diffusen und machte auf diese Weise doch ein Zugeständnis an die abgemilderte Tötungs-Version des Winfried B. ! Das Opfer Saskia Steltzer kann ja nicht mehr befragt werden.

Hätte es Möglichkeiten gegeben, ein Urteil wegen Mordes auszusprechen? Oder zumindest die Situation des Opfers vor der Tat zu würdigen? Bei genauerem Hinsehen durchaus. Ich habe mir erklären lassen, eine Würdigung des Opfers ist nicht Aufgabe des Prozesses, sondern nur die Aburteilung der Straftat. Und genau das ist es, was Wut und Trauer erzeugt. So wird das Opfer in gewisser Weise ignoriert und übergangen.

 

§ 211
Mord

 (1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. 
 (2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oderum eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,

§ 212
 Totschlag
 (1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. 
 (2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen. 


Da Winfried Brenner bereits als Winfried Ratajczak tötete und obwohl diese Tat weit zurück liegt, ist der Vergleich von Konstantina Ulitsch zu Saskia Steltzer klar: Er tötete diese Frauen, weil die Frauen sich trennen wollte. Er tötete, weil er für sich in Anspruch nahm, dass sowohl Konstantina 1984, als auch Saskia 2013, ihm gehören würden, sein Besitz seien. (Beiden gab er sinnigerweise den Namen Diana) Das zum Beispiel kann und darf man ja nicht anders als Habgier und somit als niedersten Beweggrund auslegen. Damit würde man dieses Verhalten, das sich ja in allen schrecklichen Variationen dauernd und überall wiederholt, als das benennen, was es wirklich ist: Mord.

Da hat sich das Gericht 2014 dann doch darum herum geschlichen. Aus Zeitersparnis, weil das Strafmass sowieso klar war, weil man sich nicht zu viel Mühe machen wollte, nochmal extra nachzuhaken?

Sie sollte sein Eigentum sein und bleiben. Er muss es direkt oder indirekt angekündigt haben. Es gibt dafür einen Zeugen, den Bruder von Winfried. Er hat das bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Auch wenn er im Prozess nicht als Zeuge aussagen wollte, nichts mehr mit Winfried zu tun haben will. Wenn die Kammer gewollt hätte, hätte sie seine protokollierten Aussagen auf die eine oder andere Weise trotzdem auswerten können und müssen. Der Richter zitierte im Prozess kurz sogar daraus: Saskia habe am Telefon zum Bruder geäussert, dass sie Angst hätte zu sterben. Auch dass Winfried ein Messer habe und dass sie wisse, was er gemacht hat. Alles das bedeutet: Sie wurde von ihm bedroht, sie hatte Todesangst, er hat ihr eiskalt serviert, dass er bereits eine Frau getötet hatte, die sich trennen wollte.
Er war dazu bereit, die Grenze war duchbrochen, so weit war er und weil er diesen Schritt der eigenen Entlarvung bereits gegangen war, konnte er sowieso nicht mehr zurück.
In der Verhandlung machte er einen Ansatz zu einem Zugeständnis in Richtung Wahrheit: Er müsse zugeben, er hätte sie zum Schweigen bringen wollen, wegen eines drohenden Eklats. Das hat er miteinander verknüpft, die beiden Inhalte: Die Messserattacke und „zum Schweigen bringen.“ Niemand hakte bei dieser Aussage nach.
Es wurde quasi übergangen. Viele seiner Angaben, waren oft verschwurbelt und halbwahr. Aber an dieser Stelle steckte eine tatsächliche Wahrheit und Wirklichkeit dahinter. Warum hätte er das sonst so formuluiert, denn es war keine Schutzbehauptung mehr, keine Verdrehung.

Es blieb ihm, aus seiner Perspektive, keine andere Möglichkeit, als sie irgendwann zum Schweigen zu bringen. Denn er hatte sie in Geiselhaft genommen in der Wohnung, die Balkontür geschlossen. Er hat sie dann auch noch irgendwann mit dem Messer bedroht und gezwungen, sich auszuziehen, wie er das schon in anderen Beziehungen praktiziert hatte, er wollte sie mit dem Messer in der Hand zur Liebe zwingen. Sie schrie ihn an: „Hau, ab, lass mich in Ruhe!“ Sie wehrte das Messer ab. Sie befreite sie sich für einen Moment irgendwie und rannte nackt und in Todesangst und wahrscheinlich schon mit einer Stichverletzung, vielleicht hatte er sie beim Wegrennen mit dem Messer schon im Rücken erwischt, über den Wohnungsflur zur Tür auf den Treppenabsatz, schlug hinter sich die Tür zu, konnte vielleicht gar nicht mehr weiter und schrie: „Hilfe, ich sterbe jetzt!“, während er in dieser Sekunde bereits die Tür von innen aufriss und ihr rücklings mit aller Gewalt das Messer hineinschlug. Sie war gelähmt, ihr Rückenmark durchtrennt, sie sackte zusammen, er zog sie in die Wohnung und stach dann von vorn auf die am Boden Liegende ein. Das alles ist ein nicht wirklich nachprüfbares und doch sehr wahrscheinliches Szenario und von niedersten Beweggründen und seelischer Grausamkeit geleitet. Und schliesslich musste er mit seinem Gewaltakt auch die Straftat der versuchten Vergewaltigung und der Geiselnahme verdecken.

In der Urteilsbegründung, die -wie ich mir sagen liess- nur zu juristischen Zwecken dient, eine Revision auszuschliessen soll, hätte man zumindest einen Anklang dessen formulieren können, was anzunehmen ist.

Eine Begründung ist doch auch eine Hinterlassenschaft, ein Dokument
Sie ist nicht für die Öffentlichkeit und doch auch ein Teil Geschichtsschreibung, Niederlegung. Und dieses Dokument muss lügen, weglassen, um nicht anzweifelbar zu sein. Das ist -auch wenn Winfried B`s Verurteilung „fachgerecht“ war, bitter und traurig.

 

 

 

Weitere Beiträge zum Thema

 

Hier findet sich eine lose Sammlung von weiteren Beiträgen zu Femiziden und Gewalt gegen Frauen

Ein sehr eindrückliches aktuelles Feature des BR zum Thema Gewalt in Beziehungen mit Kindern:  Ihre Angst spielt hier keine Rolle

In der Corona-Zeit vermehrte Gewaltwaltanwendungen? Lose Informationen aus dem Frühjahr 2021:

Femizid aktuell Österreich/Deutschland

Ein eindrücklicher Beitrag von Antonella Berta, der sich dann auch mit der Frage auseinandersetzt: Was kann man ändern und wie?

https://www.ardmediathek.de/ard/video/doku-und-reportage/femizid-wenn-maenner-ihre-partnerinnen-toeten/hr-fernsehen/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xMTc1MzE/

Gigi Deppe am 25.11. mit einem Kurzbeitrag im Deutschlandfunk mit Statements aus dem Juristinnenbund:

https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=881604

 

Leider aktuell  (10.11.20 )  am Tegernsee geschehen:https://www.br.de/nachrichten/bayern/zwei-tote-nach-geiselnahme-in-tegernsee,SFxzS45

Unsere Kollegin Lisa Pausch hat im „Zündfunk- Generator“ in Bayern2 fast zeitgleich zu unserem Podcast das Thema eindringlich beleuchtet: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/generator-podcast-was-wir-ueber-femizide-wissen-muessen-100.html

Ebenso ist noch in der Mediathek ein Beitrag für den MDR von Julia Crutschwitz abrufbar. Dort geht es u.a. um aktuelle Fälle von Femiziden und um die momentanen Möglichkeiten von Prävention.https://www.ardmediathek.de/ard/video/fakt/femizide-in-deutschland/das-erste/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy85NzEwNzFjMS02OTcwLTQ3OGYtOTI2Yy1kYjQxYjBiYzRiYTU/

Ein WDR Beitrag:https://www.ardmediathek.de/ard/video/frau-tv/ein-netzwerk-gegen-femizide/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWU3NTNmYTYzLThjZTktNDM1Ni05NmFlLTY1NDc1ZjBjZDk2ZA/

Ein Urteil: https://www.ardmediathek.de/ard/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/13-jahre-haft-fuer-femizid/swr-baden-wuerttemberg/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEzMjYyNDI/

 

Ebenso sehr hörenswert der B5-podcast „Ein Thema, drei Köpfe“ von Ende Juli 2020

https://www.br.de/mediathek/podcast/1-thema-3-koepfe/kein-mord-aus-liebe-warum-femizide-verharmlost-werden/1801849

Und ein Link zur Website von BR24. Da geht es um ein Projekt zur Prävention häuslicher Gewalt in der Oberpfalz. Auf dieser Seite finden sich auch noch weitere Beiträge zum Thema:https://www.br.de/nachrichten/bayern/minister-stellen-konzept-gegen-stalking-und-haeusliche-gewalt-vor,S668mOz?UTM_Name=Web-Share&UTM_Source=Link&UTM_Medium=Link

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/haeusliche-gewalt-wo-taeter-jetzt-hilfe-bekommen,RwIdJFc

Prof. Monika Schröttle,http://www.monikaschroettle.de/ mitder wir für unseren Podcast gesprochen haben, betreibt seit einigen Jahren Forschungssprojekte zum Thema Femizid. Interview mit ihr im SZ-Magazin: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/frauen/bei-sexueller-gewalt-geht-es-weniger-um-lust-als-um-macht-85601
 

Interview mit Christina Clemm, Fachanwältin für Straf- und Familienrecht nach der Tat von Obergünzburg im Juli 2020 https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/keine-beschoenigungen-die-toetung-einer-frau-ist-ein-femizid,S48N5mo

Eine weiterführende Studie der UN: Global Study on Homicide 2018


Ein Beitrag des BR- Magazins Cappriccio zu unserem podcast
https://www.br.de/mediathek/video/podcast-der-moerder-und-meine-cousine-av:5f05c992d1e38f0014855a19

Wichtiger ZEIT-Artikel von 2018, der sehr präzise und knapp das Wesentliche verhandelt und „Ehrenmorde“ und „Beziehungstaten“ auf eine Ebene bringt: https://www.zeit.de/2018/41/beziehungstaten-ehrenmorde-frauenmorde-maennergewalt-familie

BR-Sendung: „Syrer in München, zwei Geschichten vom Ankommen und Fremdbleiben“

 

Meine Sendung über ein paar unserer syrischen Freunde  „Syrer in München, zwei Geschichten vom Ankommen und Fremdbleiben“, wurde im Oktober 2017   in  Bayern2 Radio  gesendet.

Wer den ersten Teil verpasst hat oder keine Zeit hat,  kann die Sendung auch als podcast nachhören.

hier der link zu den Sendungsseiten:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/land-und-leute/syrer-in-muenchen-teil-1-und-2-dabinnus100.html

 

„DA MÜSSEN SIE EINE NEUE NUMMER ZIEHEN !“

 

(Die Idee basiert auf erlebten Situationen als „freiwilliger Helfer“ und einer „Test- Performance“ im Rahmen der Westendstudios 2017 )

Zwei Musiker aus Syrien haben nach einem Jahr in der Unterkunft ihre Anerkennung bekommen und suchen mit Unterstützung Raum zum Wohnen. Es werden sogar bald zwei private Zimmer gefunden! Nun müsste das Ganze nur noch amtlich genehmigt werden….. Nur noch?!

Eine Amtszimmer -Oyssee mit ungewissem Ausgang beginnt.

Eingefügt in die „Rahmenhandlung“ der Amtsbesuche, die stark an Valentins Buchbinder Wanninger ( der auch auf arabisch zitiert werden wird ) erinnern, geht es um all das, was neben dem Umgang mit der Bürokratie sonst noch das „Hintergrundrauschen“ der Ankömmlinge bestimmt : Trennung von Familie und Freunden, der Krieg zuhause, Alltag in Unterkünften, Verständigungsprobleme, Wünsche, Träume und Realitäten.

Und natürlich die Frage: Wer kann denn wo unterkommen und wie bereit sind alle die, die grundsätzlich unterstützen wollen, tatsächlich etwas abzugeben, herzugeben.

Das wird alles mit einfachsten Hör und Spielmitteln erzählt .

Beispielhaft für die „Vielen“, die jetzt versuchen bei uns „anzukommen“, steht ein kleiner Sprech und Spielchor auf der Bühne, bestehend aus den beiden Musikern selber und weiteren „Noch- oder Nicht-Mehr -Unterkunftsbewohnern“.

Zwischen den „Verwaltungsvorsprechen“ gibt es musikalische Zwischenspiele, absurde Sprachen-Mix -Unterhaltungen und Übersetzungsversuche arabischer Liebeslieder, von fernen Müttern per skype und whatsApp übermittelte Kochrezepte, Momente von Erinnerungen, kurze Erzählungen von Erlebnissen.

AUDIO- SCHNIPSEL

1.Auschnitte Live-Lesung im Rahmen der Westendstudios 2017

2. Variationen der Erzählhaltung

Auftritte in TV / Kurzfilm

 

 

Jahr

kurzes Demovideo-

 

Titel

https://vimeo.com/182074455

 

Art der Prod./Sender

 

 

Regie

 

 

Rolle

2016 München Mord  (Episode in Prod.) TV-Serie ZDF Anno Saul Polzist Schellack
2015 Dahoam is Dahoam TV-Serie, BR Diverse Dr.Pawlik [ENR]
2014 Dahoam is Dahoam

 

TV-Serie, BR Diverse Dr.Pawlik [ENR]
2013 Magie der Farben Dokumehrteiler, BR Heinz Peter Vorleser, Zauberer, Newton
2011 Der Vertrag Kurzspielfilm Darko Mirkowic Dr. Pfimbel [HR]
2009 Wozu Regeln (DVD Sozialkompetenz) Lehrfilm Christian Cull fremder Mann [HR]
2006 Fraunhofer Gesellschaft – Konflikt (Schulu… Lehrfilm George Rosenau Herr Dreher [HR]
2005 Das Übliche Kurzspielfilm Max Conradt Der Ältere [HR]
2002 Some People Can Kurzspielfilm diverse Junkie [NR]
1998 Wer liebt dem wachsen Flügel Kinospielfilm Gabriel Barylli Boxer [TR]
1997 Der Bulle von Tölz – Mord am Rosenmontag TV-Film (Reihe), SAT.1 Walter Bannert Arzt [TR]
1996 Ehen vor Gericht TV-Serie, ZDF Rupprecht Essberger Ehemann [HR]
1995 Willkommen in Kronstadt TV-Film Hanns Christian Müller Gemeindebeamter [TR]
1995 Ciao Bello TV-Film, BR Peter Patzak Journalist [TR]
1994 Verbrechen, die Geschichte machten – Prinz… TV-Film (Reihe) Maria Knilli Passant [TR]
1994 Immer im Einsatz – Die Notärztin TV-Serie, ProSieben Peter Carpentier Spurensicherer [ENR]
1988 Der Fahnder TV-Serie, WDR Werner Masten

Hajo Gies

Verdächtiger [ENR]