Shmuels Story

DAS KIND UND DIE VERNICHTUNGSMASCHINE: Zwölf Jahre ist Alexander Shmuel Schneider alt, als er und seine Familie mit hunderttausenden anderen ungarischen Juden im Frühsommer 1944 deportiert werden. Teile seiner Familie werden sofort in Auschwitz ermordet. Inmitten des totalen Horrors beweist Shmuel  Mut und aberwitzige Waghalsigkeit. Mehrfach entkommt er dem sicheren Tod, wird  gerettet oder rettet sich selbst.  Der Lagerkommandant Amon Göht („Schlächter von Plaszow“ ) hetzt beim Zählapell seine Hunde auf ihn, weil Schmuel nicht ganz in der Reihe steht. Die Hunde bleiben stehen und zerfleischen Shmuel nicht. Er beschafft Materialien um ein Radio zu bauen, er überlebt die Strafe eines „Todeslochs“. Eine kindliche Kraft und die enge Bindung an Familie, jüdische Kultur und Religion helfen ihm beim Überleben. Nach der Befreiung der Lager beerdigt er ganz allein seinen Vater.  Auf einem christlichen Kirchhof.                                                Er trifft immer wieder auf Menschen, die ihm helfen. Er schnallt sich zwischen Eisenbahnwagen fest macht sich auf eine Odyssee durch Osteuropa, Verwandte suchen und sein früheres Zuhause. Regisseur Steven Spielberg wollte diese Geschichte verfilmen. Shmuel lehnte ab: „Das Leben ist kein Film“

WIE KOMMT DIESE STORY ZU UNS?  Der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Michael Heinzmann- ist um die 2010er Jahre für die Universität Potsdam tätig-  und unterwegs im Grenzgebiet zu Polen. Er erforscht mit einem Team  Relikte jüdischer Gräber. Bei dieser Arbeit bekommt er zufällig  einen Hinweis auf ein Grab an einem Ort, wo man es nicht erwarten würde: Auf einem christlichen Friedhof. Die verwitterten Inschriften werden entziffert, Heinzmann macht sich im Netz auf die Suche nach überlebenden Nachkommen und bekommt Kontakt zu Alexander Shmuel Schneider in Los Angeles.  Der begrüßt ihn mit den Worten: „I can tell you stories!“  Dr. Heinzmann und sein Team besuchen Shmuel Schneider in Los Angeles und Israel, führen Interviews über sein Leben.  Dabei erfährt Heinzmann auch,  daß Shmuel Schneider einen Text auf  hebräisch geschrieben hat, in dem er seine Erlebnisse in den Lagern schildert. Den Text hat er in Versform und einfacher Sprache verfasst.  Sein Gedanke war, dass Schüler den Text lesen können sollen. Das Original liegt in Yad Vashem.  Auch ein Buch wurde gedruckt.  2018 stirbt Shmuel Schneider.    (Foto : Dr. Michael Heinzmann -Univ. Potsdam) 

DAS PROJEKT “ I HAVE A STORY FOR YOU!“ – Die israelische Historikerin und Autorin Ilanit Ilia hat mehrere Jahre an der Übertragung des Textes ins Deutsche gearbeitet.  Es war Shmuel Schneiders ausdrücklicher Wunsch, dass der Text in die „Sprache der Täter“ übertragen wird.                                                                                         In unserem ersten Schritt in die Öffentlichkeit mit diesem Projekt, haben wir Abschnitte  aus Shmuel Schneiders Text, ebenso  Passagen aus den Interwiews und andere zeitgeschichtliche Materialien eingearbeitet.  Durch eine kurzfristige Förderung des Kulturreferates der Lhst München konnten wir diesen ersten Projektschritt realisieren.

Das Projekt soll sowohl in einer künstlerischen Form, als auch für Workshops an Schulen oder Bildungsstätten weiterentwickelt werden. Kontakte dazu sind angebahnt. Natürlich stellen sich hier auch erstmal Fragen der Organisation, der Finanzierung und Unterstützung.

NEUE WEGE DER ERINNERUNGSKULTUR FINDEN– Ein zentraler Impuls  des Projektes ist die Suche nach neuen Möglichkeiten lebendiger  erinnerungskultureller Arbeit im Hier und Jetzt. Denn viele der Zeitzeugen sind  inzwischen verstorben, können selber nichts mehr weitergeben.

"Der Antisemitismus ist wieder überall und stärker denn jemals in der Zeit nach Holocaust und Weltkrieg. Antisemitismus lebt nicht nur von Hass, sondern immer auch von Wegsehen, von Schweigen und dem Wunsch, sich nicht positionieren zu müssen" 
(Aus der Rede von Martin Moszkowicz beim Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus)